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Schlagwort: Familienrecht

Kind verweigert Umgang mit einem Elternteil?

Wenn ein Kind nach der Trennung den Kontakt zu einem Elternteil ablehnt, wird schnell ein Vorwurf laut: Der andere Elternteil habe das Kind beeinflusst. Doch genau diese vorschnelle Annahme hat ein aktuelles Gerichtsurteil deutlich relativiert.

Eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main vom Januar 2026 zeigt, dass Gerichte sehr genau hinschauen – und nicht jede Umgangsverweigerung automatisch auf Manipulation zurückführen.

Umgangsverweigerung: Was war passiert?

In dem Fall lebten zwei Kinder nach der Trennung bei ihrer Mutter. Während die jüngere Tochter weiterhin Kontakt zum Vater hatte, wollte der ältere Sohn diesen zunehmend vermeiden.

Trotzdem empfahl eine Gutachterin im Sorgerechtsverfahren, beide Kinder künftig beim Vater unterzubringen. Den klar geäußerten Wunsch des Sohnes, bei der Mutter zu bleiben, ließ sie dabei unberücksichtigt.

Stattdessen stellte sie die Vermutung auf, die Mutter habe das Kind negativ beeinflusst. Grundlage dieser Einschätzung war das sogenannte „Parental Alienation Syndrome“ (PAS) – eine Theorie, nach der Kinder gezielt von einem Elternteil gegen den anderen „entfremdet“ werden.

Gericht entscheidet zugunsten der Mutter

Das Gericht folgte dieser Einschätzung jedoch nicht. Die Richter entschieden, dass die Kinder weiterhin bei der Mutter leben – und übertrugen ihr das alleinige Sorgerecht.

Dabei wurde deutlich kritisiert:

  • Es fehlten konkrete Belege für eine angebliche Beeinflussung
  • Die Perspektive des Kindes wurde nicht ausreichend berücksichtigt
  • Auch das Verhalten des Vaters spielte im Gutachten keine ausreichende Rolle
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Ein zentraler Punkt: Das Konzept des PAS wird von der Rechtsprechung, insbesondere auch vom Bundesverfassungsgericht, als nicht wissenschaftlich anerkannt bewertet und eignet sich daher nicht als Grundlage für Sorgerechtsentscheidungen.

Kindeswohl und Kindeswille im Mittelpunkt

Das Gericht stellte klar, dass der Wille eines Kindes – gerade bei älteren Kindern – ernst genommen werden muss. Wird dieser ignoriert, kann das dem Kindeswohl sogar schaden.

Zudem sah das Gericht auch beim Vater eine Mitverantwortung für die eskalierte Situation. Unter anderem spielten unbegründete Vorwürfe und Konflikte im familiären Umfeld eine Rolle.

Familienrecht in Neubrandenburg: Warum rechtliche Beratung wichtig ist

Gerade bei Streit um Sorgerecht oder Umgangsrecht zeigt sich: Pauschale Lösungen gibt es nicht. Jeder Fall ist individuell – und oft komplex.

Für Eltern in Neubrandenburg kann es entscheidend sein, frühzeitig einen Fachanwalt für Familienrecht einzuschalten. Eine fundierte rechtliche Einschätzung hilft dabei, unnötige Konflikte zu vermeiden und den Fokus auf das Wesentliche zu richten: das Wohl des Kindes.

Fazit: Keine vorschnellen Schuldzuweisungen

Wenn ein Kind den Umgang verweigert, sollten die Gründe sorgfältig geprüft werden. Gerichte legen heute großen Wert auf eine differenzierte Betrachtung und stellen das Kindeswohl klar in den Mittelpunkt.

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